Freude oder Frust - wie entsteht eigentlich Schnee?

Des einen Leid ist des anderen Freude. Während sich die Autofahrer ärgern, dass die Straßen blockiert sind und sie länger auf dem Weg zur Arbeit unterwegs sind, freuen sich viele Andere darüber, wenn die Landschaft wie mit einem weißen Zuckerguss überzogen ist.

Es hat geschneit. Oftmals ist es schon im November soweit, dass der erste Schnee auf uns hereinbricht. Froh ist, wer hier rechtzeitig Winterreifen auf sein Auto geschnallt hat. Man muss sich jedes Mal wieder neu daran gewöhnen, dass das Autofahren bei Schnee eine ganz heikle Angelegenheit ist.

Dass sich Schnee ganz toll zum rodeln und Spaß haben anbietet, daran gewöhnt man sich indessen schnell. Der Höhepunkt der Romantik ist aber erst erreicht, wenn es weiße Weihnachten gibtschließlich gehört das untrennbar zu dem Fest dazu. Hatten nicht Maria und Josef damals in Bethlehem auch Schnee an Weihnachten? Naja, egal – wir wollen Schnee zum Fest. Perfekte Weihnachten gibt es somit nur jedes 7. Jahr. Nur so selten schneit es wirklich am 24. Dezember.

Aber wie entsteht sie überhaupt, die weiße Freude, die vom Himmel fällt? Der Ursprung ist erst mal dort, wo auch ein Regentropfen entsteht. Kleine Staub- und Rußpartikel fliegen im Himmel umher, nicht erst seit wir Auto fahren. Es ist ein ganz natürlicher Prozess. Kleine Regentropfen gefrieren in der eisigen Atmosphäre an diesen Staubkörnchen fest, wenn es besonders kalt ist. Auf dem Weg durch die Wolken friert immer mehr Wasser an dem Kristall fest. Mit der Zeit wird dann ein Schneestern daraus. Der Schnee ist also nicht einfach gefrorener Regen, denn das wäre Hagel. Um Schnee zu bekommen, muss sich der Wasserdampf in den Wolken langsam um ein Staubkorn gefrieren und wächst dabei immer weiter.

Doch wieso hat Schnee manchmal diese charakteristische Sternen-Form, die zum Symbol für die weißen Flocken geworden ist? Dazu muss folgendes passieren: wenn ein Kristall bei einer sehr kalten Temperatur wie -25 °C gebildet wurde und dann in eine wärmere Schicht mit – 15 °C kommt, dann wachsen an den Enden kleine Sterne heran. Nur bei rund –15 °C entstehen diese Sterne – ansonsten sind es eher Plättchen und unförmigere Brocken. Immer jedoch hat die Schneeflocke 6 Ecken. Wieso?

Das liegt an den Molekülstruktur von Wasser: die elektrostatischen Kräfte setzen Wasser immer in 6-Ecken zusammen – je länger das geht, umso größer wird das 6-Eck, bis wir es schließlich mit bloßem Auge erkennen können. Wenn Wasser gefriert, wie es hier der Fall ist, dann wird Wärme abgegeben. Denn kalte Energie, die einerseits erzeugt wird, bedingt, dass warme Energie nach außen abgeschieden wird, wie z.B. beim Kühlschrank. Die Wärme kann vom Eiskristall am Besten abgegeben werden, wenn die Oberfläche groß ist, also das Kristall in viele kleine Ecken verzweigt ist. Dass alle Ecken des Sternes gleich aussehen, liegt daran, dass der Stern sich mehrmals dreht und jede Seite die gleichen Witterungsbedingungen im Himmel durchläuft. So hat auch jede der 6 Seiten die gleiche Größe.

Die kleinen Sterne sehen wir dann manchmal am Fenster. Meist fallen sie aber in der Menge vom Himmel, verklebt zu rundlichen Flocken. Die Sterne werden dabei von Wassertropfen zusammengehalten. Das nennen die Wissenschaftler Feuchtschnee.

Je größer die Flocken sind, desto wärmer ist es. Großen Schneeflocken, oft bis zu 3 cm groß, folgt oft ein Regen oder Schneeregen. Der Schnee muss aber nicht in Schneeregen umschlagen. Es kann statt wärmer ja auch kälter werden. Und dann wird es wieder zu kalt für Schneefall. Kalte Luft nimmt nämlich nicht viel Feuchtigkeit auf – sie ist einfach zu dicht. Wenn es zu kalt wird, ensteht also Pulverschnee – der ist recht trocken –oder es entsteht gar kein Schnee, weil die Kälte zu trocken ist. In der Arktis z.B. schneit es weniger als in einem Winter bei uns – und wenn, dann nur kleine Plättchen statt Sterne, weil es zu kalt ist. Bei 0 Grad auf der Erde fällt übrigens der meiste Schnee. Dazu müssen die Kristalle aber auf dem kompletten Weg, den sie im Himmel zurücklegen, im Bereich von Minustemperaturen gewesen sein. Wenn unterwegs irgendwo Plus-Temperaturen sind, wird der Schnee sofort zu Regen. Schnee erscheint uns übrigens weiß, weil sich darin von allen Seiten soviele Lichteinfälle reflektieren – auch eine Folge der verzwickten Form – denn eigentlich müsste ja auch gefrorenes Wasser transparent sein.

Es müssen also einige Fälle zusammen eintreffen, damit wir wirklich Schnee haben. Wenn es an Weihnachten nicht weit unter 0 Grad ist, dann haben wir die größten Aussichten auf weiße Landschaften und schneebedeckte Dächer. Wenn man dann nicht arbeiten muss, kann man die Romantik zu Hause bei einer heißen Tasse Kakau genießen oder draußen rodeln gehen. Wer mit dem Auto unterwegs ist oder den Schnee wegschaufeln muss, der verflucht die weißen Flocken gerne. Denn in der Masse sind sie keine eleganten, symmetrischen Sterne, sondern eine kalte, hartnäckige Masse, die unsere Welt durcheinander bringt. Kein Grund zur Panik aber: Schnee ist nun wirklich ein ganz normales Naturphänomen. Solange, wie es in Deutschland noch nicht zu warm dafür ist.

 
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