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Bereits seit dem 2. Weltkrieg steht eines der schönsten Gebäude der Stadt Pirmasens leer. Unbeachtet in einer Reihe von historischen Gebäuden aus der Wilhelminischen Zeit wurde das Gebäude der Alten Kraftpost seit 70 Jahren nicht mehr genutzt. Das ändert sich nun – viel Geld wird investiert und seit Jahren wird gebaut. Was passiert hier?
Das Dach war teilweise im Krieg zerstört worden. Von der bunt verzierten Fassade des Neobarock ist aber noch viel erhalten. Unweit des Bahnhofs wollte man Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Postgebäude demonstrieren, dass Pirmasens eine Stadt im Glanz der Schuhindustrie ist. Den Charme dieses historischen Gebäudes will man nun endlich nutzen. Die Kultur soll in die alten Post-Mauern einziehen. Im „objektiv“-Interview erklärt uns Baudezernent Michael Schieler, was hier geplant ist.
Hat die Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit Westdeutschlands eigentlich das Geld für ein Kulturgebäude dieser Art?
Eine verstorbene Bürgerin hatte der Stadt eine Geldsumme vermacht. Eine Freude – doch das Geld darf nur für die alte Post genutzt werden. Hätte man das Monument nicht umgebaut, wäre auch das geerbte Geld nicht geflossen. Etwas zuschießen musste das Land freilich noch.
Die Stadt Pirmasens hat erst Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes, aber nicht für den Bau, da der Großteil des Geldes vom Land kommt. Uns Steuerzahlern dürfte jedoch egal sein, ob unser Geld über Stadt, Bund oder Land an das Projekt fließt. Pirmasens hat als kulturelle Einrichtungen auch den Carolinensaal, eine umgebaute Leichenhalle aus der gleichen Epoche sowie eine Festhalle. Größenmäßig soll sich die „Alte Post“ aber dazwischen positionieren, so Baudezernent Michael Schieler (Foto). Die Kunstsammlungen der Stadt können bisher im Alten Rathaus nur zum Teil ausgestellt sein. Hier sollen sie ab 2013 komplett zu sehen sein. Bisher sieht noch alles nach einer Baustelle aus – erst seit ein paar Monaten wird wieder weitergebaut. Restauriert ist bisher eine alte Stuckdecke, die durch eine schlichte Decke verborgen war und zufällig bei den Bauarbeiten wieder gefunden wurde. Durch ihre Überreste konnte man die fehlenden Teile rekonstruieren. Ähnlich wird man auch im großen Saal vorgehen, in dem kleine Konzerte und Vorlesungen geplant sind. Hier kann man sich mit etwas Fantasie die Ausmaße schon vorstellen. Obwohl an den Seiten noch riesige Löcher klaffen, in die klare weiße Fenster eingezogen werden. auch die Decke soll im Stuck-Stil wieder auferstehen. Bislang kann man durch den Dachboden noch hineinschauen. Hier oben wird sich die Technik befinden.
 An einem weißen Modell sieht man, wie die Räume über einen gläsernen Anbau miteinander verbunden sein werden. Auch von ihm ist an der Baustelle noch nichts zu sehen. Tina Müller-Einfalt, die seit mehreren Jahren an der Planung mitarbeitet, kann sich schon sehr gut vorstellen, wie das alles in groß und in Farbe aussieht. Pirmasens ist ihre Heimat und so ein ungewöhnliches Projekt bedeutet ihr natürlich besonders viel.
An ein Postgebäude des 19. Jahrhunderts wird man nach Fertigstellung der Kulturstädte wohl nicht mehr denken. Lediglich der Telegraf unter dem Dach erinnert noch daran, dass Handys und Internet erst erfunden wurden, als die Königlich-Bayrische Kraftpost in Pirmasens schon stand.
Wenn alles gut geht, dann kommt der Glanz der alten Kraftpost nach einem Dreivierteljahrhundert bald zurück – in eine Stadt, die noch viele weitere Baustellen hat – doch das Kulturgebäude soll eine Oase sein, die das vergessen lässt. |