| Das einsame Bergwerk in Wolfstein |
|
Zwischen 1967 wurde hier zum letzten Mal Kalkstein abgebaut. Das Vorkommen in der Region war immer groß. Der Kalk hatte hier eine besondere Qualität, war aber deshalb auch teurer. Der Preis konnte sich am deutschen Markt nicht mehr durchsetzen. Rund um den Eingang zum Stollen stehen Werkzeuge zur Weiterverarbeitung des Kalks. In einem Ofen wurde der Kalk 5 Tage lang von unten erhitzt – hier sieht man noch den unteren Eingang, in dem das Feuer gemacht wurde. Aufnahmen im Museum zeigen noch einmal, wie der Stein in den Ofen kam. Erst nach 5 Tagen hat er die richtige Konsistenz und kann weiterverarbeitet werden.
Bunte Steine findet man hier unten auch. Der braune ist so braun, weil hier Eisen mit enthalten ist. Ihn gibt es aber auch in weiß. Wie in einer Tropfsteinhöhle sieht es hier teilweise aus. Der tropfende Kalkstein wächst im Jahr lediglich um etwa einen Zentimeter – man hat es wohl nachgemessen. Was war denn nun eigentlich so gefährlich hier unten? Drohte der Berg etwa einzustürzen? Der ganze Berg auf einmal wohl eher nicht, aber einzelne Teile der Decke hätten herunterbrechen können und das reicht ja, um schlimmstenfalls jemanden zu töten. Das Berkwerksamt hatte daher ausgerechnet, wo die höchsten Lasten sind und dort muss dann ein Stütztor hin. So eines gibt es hier im Bergwerk nur zwei Mal. Es gibt aber weitere Stützpfeiler aus weichem Holz. Wenn die Decke drohte, nachzubrechen, hörte man frühzeitig das Knirschen und hatte genug Zeit, den Keller noch zu verlassen. Es gab aber auch andere Methoden, die der letzte Bergarbeiter im Königsberg angewandt hat. In einen Käfig wurden Mäuse gesperrt. Der Käfig stand im Stollen nahe des Arbeiters. Ging es den Tieren schlecht, so war abzusehen, dass von irgendwoher Gas austritt. Mit langen Bohrern wurden mindestens 7 Löcher in die Wand gebohrt. Hier sieht man noch die Abdrücke eines Bohrers, der hier in die Wand gefahren ist. In die Löcher wurde dann jeweils Dynamit mit einer langen Zündschnur gelegt. Wenn der Bergmann die Schnur gezündet hat, blieben ihm mindestens 5 Minuten, um das Bergwerk zu verlassen. 300 m nach draußen – angeblich soll das jeder rechtzeitig geschafft haben. Hat doch der letzte Bergmann hier nach dem Krieg 7 Jahre mutterseelen-allein gearbeitet und gesprengt. Seine Arbeiter wurden von Firmen angeworben, die besser bezahlten. Herr Kappel musste sich 3 mal am Tag seiner Frau draußen zeigen, damit sie wusste, dass alles in Ordnung ist. Dies wurde ihm sogar vom Amt zur Auflage gemacht.
Vor allem von der nahegelegenen Jugendherberge kommen viele Besucher hierher. Sie wurde ebenfalls 1980 eröffnet. So kommen Besucher vom Westen wie im Osten ins Nordpfälzer Bergland. Zum Glück hatten wir nicht den obligatorischen Gruben-Schnaps zum aufwärmen getrunken. Denn auf dem Rückweg fährt die Grubenbahn dann etwas schneller – der Weg ist leicht abschüssig. Otto Kappel hatte ihn extra so gebaut, damit die Steine leichter aus dem Bergwerk heraus transportiert werden konnten. 13°C herrscht übrigens im Königsberg. Wenn man hineinfährt, merkt man, wie schnell sich die Temperatur wandelt. In einem heißen Sommer kann man sich hier also angenehm abkühlen. Aber vor allem kann man hautnah etwas über die harte körperliche Arbeit erfahren, die einige unserer Vorfahren hier verrichtet haben. Glück auf!
Öffnungszeiten des Museums: Sonn- und Feiertage, 13 - 18 Uhr Externer Link: www.kalkbergwerk.com |



8 Tonnen Kalk hatte der letzte Bergarbeiter in Wolfstein pro Woche gefördert. Otto Kappel hatte auch maßgeblich mitgewirkt, hier viele Jahre nach Einstellung der Arbeiten ein Besucherbergwerk zu errichten. Wenige Monate nach der Eröffnung 1980 verstarb er, nachdem er sein Projekt vollendet hatte.