Das einsame Bergwerk in Wolfstein

Tief in den Berg fährt eine Bahn hinein, die Besucher dort hin bringt, wo einst ein einzelner Arbeiter Kalk abgebaut hat – unter Einsatz seines Lebens.

Zwischen kleinen Hügeln und höheren Bergen, neben grünen Wiesen liegt die Kleinstadt Wolfstein im Nordpfälzer Bergland. Doch diese Berge stehen nicht einfach nur da und prägen die Landschaft. Sie werden auch genutztzumindest wurden sie das über viele Jahre. Wir Menschen wollten nämlich die Rohstoffe aus dem Königsberg. Kalkstein ist hier zu finden. Fast auf einer Höhe mit dem Ort war es trotzdem ein unterirdischer Abbauebenerdig im Berg eben. Hier können Besucher heute sogar mit einer kleinen Bahn hineinfahren. Die schienen waren schließlich schon da, denn über diese hatte man die Steine aus dem Berg hinaus transportiert.

 1967 wurde hier zum letzten Mal Kalkstein abgebaut. Das Vorkommen in der Region war immer groß. Der Kalk hatte hier eine besondere Qualität, war aber deshalb auch teurer. Der Preis konnte sich am deutschen Markt nicht mehr durchsetzen.

 Rund um den Eingang zum Stollen stehen Werkzeuge zur Weiterverarbeitung des Kalks. In einem Ofen wurde der Kalk 5 Tage lang von unten erhitzthier sieht man noch den unteren Eingang, in dem das Feuer gemacht wurde. Aufnahmen im Museum zeigen noch einmal, wie der Stein in den Ofen kam. Erst nach 5 Tagen hat er die richtige Konsistenz und kann weiterverarbeitet werden.

 Mit der Grubenbahn geht es nun ins Innere des Königsberges. Hier werden auch die Besuchergruppen ins Bergwerk gebracht. Kindern macht das Bahnfahren besonderen Spaßder Schutzhelm ist aber für alle ein Muss. Wer sich den Kopf hier anschlägt, kann sich ganz schön verletzten. Aber bei der Arbeit im Stollen hatte man noch viel größere Gefahren, doch dazu kommen wir gleich. Die Luftzufuhr ist schon eines der Probleme. Damit die Luft nicht durch den nächstmöglichen Durchgang direkt wieder nach draußen zieht, musste man Tricks anwenden. Der nächstgelegene Durchgang wurde einfach mit Planen behängt, sodass die Luft weiter geht und durch den kompletten Stollen zirkuliert.

 Bunte Steine findet man hier unten auch. Der braune ist so braun, weil hier Eisen mit enthalten ist. Ihn gibt es aber auch in weiß. Wie in einer Tropfsteinhöhle sieht es hier teilweise aus. Der tropfende Kalkstein wächst im Jahr lediglich um etwa einen Zentimeter – man hat es wohl nachgemessen.

 Was war denn nun eigentlich so gefährlich hier unten? Drohte der Berg etwa einzustürzen? Der ganze Berg auf einmal wohl eher nicht, aber einzelne Teile der Decke hätten herunterbrechen können und das reicht ja, um schlimmstenfalls jemanden zu töten. Das Berkwerksamt hatte daher ausgerechnet, wo die höchsten Lasten sind und dort muss dann ein Stütztor hin. So eines gibt es hier im Bergwerk nur zwei Mal. Es gibt aber weitere Stützpfeiler aus weichem Holz. Wenn die Decke drohte, nachzubrechen, hörte man frühzeitig das Knirschen und hatte genug Zeit, den Keller noch zu verlassen. Es gab aber auch andere Methoden, die der letzte Bergarbeiter im Königsberg angewandt hat. In einen Käfig wurden Mäuse gesperrt. Der Käfig stand im Stollen nahe des Arbeiters. Ging es den Tieren schlecht, so war abzusehen, dass von irgendwoher Gas austritt.

 Mit langen Bohrern wurden mindestens 7 Löcher in die Wand gebohrt. Hier sieht man noch die Abdrücke eines Bohrers, der hier in die Wand gefahren ist. In die Löcher wurde dann jeweils Dynamit mit einer langen Zündschnur gelegt. Wenn der Bergmann die Schnur gezündet hat, blieben ihm mindestens 5 Minuten, um das Bergwerk zu verlassen. 300 m nach draußenangeblich soll das jeder rechtzeitig geschafft haben. Hat doch der letzte Bergmann hier nach dem Krieg 7 Jahre mutterseelen-allein gearbeitet und gesprengt.

Seine Arbeiter wurden von Firmen angeworben, die besser bezahlten. Herr Kappel musste sich 3 mal am Tag seiner Frau draußen zeigen, damit sie wusste, dass alles in Ordnung ist. Dies wurde ihm sogar vom Amt zur Auflage gemacht.

 8 Tonnen Kalk hatte der letzte Bergarbeiter in Wolfstein pro Woche gefördert. Otto Kappel hatte auch maßgeblich mitgewirkt, hier viele Jahre nach Einstellung der Arbeiten ein Besucherbergwerk zu errichten. Wenige Monate nach der Eröffnung 1980 verstarb er, nachdem er sein Projekt vollendet hatte.

 Vor allem von der nahegelegenen Jugendherberge kommen viele Besucher hierher. Sie wurde ebenfalls 1980 eröffnet. So kommen Besucher vom Westen wie im Osten ins Nordpfälzer Bergland. Zum Glück hatten wir nicht den obligatorischen Gruben-Schnaps zum aufwärmen getrunken. Denn auf dem Rückweg fährt die Grubenbahn dann etwas schneller – der Weg ist leicht abschüssig. Otto Kappel hatte ihn extra so gebaut, damit die Steine leichter aus dem Bergwerk heraus transportiert werden konnten.

 13°C herrscht übrigens im Königsberg. Wenn man hineinfährt, merkt man, wie schnell sich die Temperatur wandelt. In einem heißen Sommer kann man sich hier also angenehm abkühlen. Aber vor allem kann man hautnah etwas über die harte körperliche Arbeit erfahren, die einige unserer Vorfahren hier verrichtet haben.

 Glück auf! 

 

Öffnungszeiten des Museums: Sonn- und Feiertage, 13 - 18 Uhr

Externer Link: www.kalkbergwerk.com

 
Joomla template by a4joomla