Wie trifft uns der Klimawandel?

Alle Welt spricht davon, dass sich das Wetter in der Zukunft verändern wird. Wie stark trifft uns das in Südwestdeutschland?

Für vieles gibt es mittlerweile feste Zahlenprognosen, über anderes kann nur spekuliert werden. Beginnen wir aber mit Gegenwart und Vergangenheit, denn die können wir ohne jede Spekulation betrachten.

Wo man vor 15 Jahren sagte, es sei 5 vor zwölf und man müsse handeln, da kann man heute sagen, es ist 5 nach 12. Denn etliche unnatürliche Prozesse sind bereits in Gang gesetzt und können nicht mehr verändert werden.

Der Rhein führt am Mittel- und Unterlauf im Winter zunehmend mehr Wasser. Dies hat die Auswertung von Pegeldaten aus dem gesamten Einzugsgebiet des Flusses aus Wenn in den Alpen die Gletscher zu früh schmelzen, fehlt den Flüssen im Sommer das Wasser - hier die Moselden Jahren 1901 bis 2000 ergeben. Zudem sindbei Hochwasser vermehrt außergewöhnlich hohe maximale Wasserstände aufgetreten. In Kaub am Mittelrhein gab es ein Plus von 3 Prozent  Wassermenge innerhalb weniger Jahre. Da es im Jahresmittel deutlich wärmer wird, gibt es im Winter statt Eis und Schnee immer mehr Niederschläge, die im Winter in den Rhein abfließen und nicht erst wie das Schmelzwasser aus den Hochlagen im Frühjahr und Sommer nach und nach im Fluss ankommt. Im Sommer wird es dagegen häufiger zu Trockenperioden kommen. Schon in den letzten Jahren war der Rhein mehrmals für die Schifffahrt gesperrt, da der Wasserstand zu niedrig war.

Während der Süden Spaniens in den nächsten Jahren langsam zur Wüste wird und in Norddeutschland etliche Landkreise zurückgebaut werden, haben wir hier in Rheinland-Pfalz eher Glück, vor allem in den Bergregionen. Wer keinen empfindlichen Kreislauf hat, kann auch im Jahr 2050 hier noch unbeschwert leben. Die Durchschnittstemperatur wird bis dahin rund 2 Grad mehr betragen als heute. Zum Vergleich: Der Temperaturanstieg den wir bereits in den letzten Jahren erlebt haben, beträgt nur rund 0,5 Grad. Statt 8 Grad wird man bei uns also 10 Grad Celcius im Jahresmittel haben. Dabei werden im Sommer auch mal Temperaturen von über 40 Grad erreicht, Schnee kennen die meisten Kinder unserer Enkelgeneration nicht mehr. Den größten Temperaturzuwachs im Land wird es in der Eifel und anderen Gebirgen geben. Bei Fastnachtsümzügen wird man dann meist nicht mehr frieren, wenn man bei 15-20 Grad dünn bekleidet ist. Allerdings werden winterliche Festivitäten noch viel häufiger als bis jetzt sprichwörtlich ins Wasser fallen.

Teile des Alltags haben sich aber bis zum Jahr 2040 tatsächlich verändert. Terassendächer werden ganz anders aussehen als heute. Stürme werden immer mehr Kleindächer abdecken. Ziegeln müssen deshalb stärker befestigt und stabiler gebaut werden.

Nahrung kann bei uns immer noch angepflanzt werden. Die Bauern werden sich aber auf durchschnittlich 15% weniger Erträge einstellen müssen. In Einzelfällen könnten ganze Ernten ausfallen und die Preise für regionale Lebensmittel steigen. Mehr Lebensmittel aus dem Ausland heißt auch mehr LKWs auf unseren Straßen.

Die wärmere Zukunft beginnt: Rote Weine werden durch den Klimawandel verstärkt in Rheinland-Pfalz angebaut werdenDie Weinsorten, die man im deutschen Südwesten anbauen kann, werden sich verändern. Der hierzulande so häufige Riesling wird verschwinden. Rote Weine werden vermehrt in Rheinland-Pfalz angebaut werden.

Von den gewohnten Tierarten unserer Wälder werden rund 30% nicht mehr vorkommen, was den Stadtmenschen weniger auffallen dürfte, denn es handelt sich nicht um Haustierarten. Dafür werden sich hier auch exotische Fliegenarten einnisten und Moskitonetze an den Fenstern werden unumgänglich. Gelegentlich bringen die bisher hier unbekannten Fliegen nicht nur juckende Stiche, sondern auch Krankheiten, weswegen Ärzte in 30 Jahren viel mehr impfen werden als heute. Auch wird es mehr Aufklärungskampagnen geben, um Krankheiten wie Malaria vorzubeugen.

Einiges wird schon heute getan. Im Mai 2005 hat Hessen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst ein Hitzewarnsystem eingerichtet, um bei einer Hitzeperiode die Gefährdung älterer Menschen so weit wie möglich zu vermeiden. Zeichnen sich gefährliche Wetterlagen ab, so wird eine gezielte Warnung an die Heimaufsichtsbehörden, das Regierungspräsidium und die Ämter für

Versorgung und Soziales ausgelöst, die hierauf alle hessischen Alten- und Pflegeheime informieren, konkrete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Das Trinkwasser wird im Sommer knapper werden als heute. Da der Grundwasserspiegel in den heißen Monaten fällt, fehlt Süßwasser und es wird von unten Salzwasser ins Grundwasser eindringen.

Kern- und Kohlekraftwerke müssen, um sie sicher zu betreiben, gekühlt werden. Flusswasser dient entweder direkt zur Kühlung, oder die Kühlung wird über eine Verdunstung von Wasser erreicht. Im Sommer 2003 mussten wegen zu hoher Temperatur des Kühlwassers einige Kraftwerke in ihrer Leistung gedrosselt werden.

Immer mehr Haushalte schaffen sich Klimaanlagen an, obwohl diese für den Energiehaushalt sehr kontraproduktiv sind.

Der Strom wird nach wie vor aus gemischten Quellen kommen. So gibt es Windräder, die aber nicht flächendeckend ausgebaut werden. Aus einigen Abfallarten kann Öl erzeugt werden. Die Menge an Müll reicht dafür aber ebenfalls nicht flächendeckend aus.

Dass es wärmer wird, haben wir also auch jetzt schon gemerkt. Dieser Trend wird sich stark fortsetzen. Wenn die Privathaushalte und vor allem die Industrie künftig weniger schädliche Gase produzieren sollten, kann dieser Trend verlangsamt werden, vieles ist aber bereits heute nicht mehr zu stoppen. Untergehen wird die Welt deswegen nicht, aber wir werden uns definitiv auf neue Gegebenheiten einrichten müssen, die teilweise schmerzlich sind. Damit wir und vor allem die Industrie uns dazu aufraffen, muss die Politik Vorschriften schaffen, da sonst niemand die unbequemeren Wege gehen würde. Wenn wir hier in Deutschland rechtzeitig neue Energie-Technologien entwickeln, können wir so aber Weltmarktführer werden und dadurch etliche Arbeitsplätze schaffen.

 
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