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Brandruine, Viehstall, Mainzer Wahrzeichen - der Dom zu Mainz hat viel durchgemacht und bleibt eine Baustelle. Einst war er die größte Kirche nördlich der Alpen. War Mainz das zweite Rom?
Der Mittelpunkt einer jeden Stadt ist markiert durch die Türme, die alles überragen: die Kirche. Das war schon immer so – und im Besonderen in einer Stadt mit solch christliche geprägter Vergangenheit wie Mainz. Seit eintausend Jahren ist hier der Dom das Wahrzeichen der Stadt. Kein Gebäude hat mehr miterlebt von den verschiedenen Epochen, all den Generationen, die den Dom bestaunt haben. Die Steine, sofern sie noch aus der Anfangszeit stammen, könnten unendlich viel erzählen. Nicht von allem wissen wir. Aber einiges ist noch heute bekannt oder wurde von Wissenschaftlern erforscht.
Das Christentum in Mainz hat Tradition. Und nicht erst seit einem Jahrtausend – bereits im 4. Jahrhundert nach Christi wurde eine christliche Gemeinde in Mainz von einem Bischof geleitet. 400 Jahre später, um 782 wurde die Stadt zum Erzbistum. Von nun an entwickelte sich die Kirchenregion für lange Zeit zur wichtigsten nördlich der Alpen. Doch dies musste auch öffentlich gezeigt werden, mit einem Monument, das alles andere in Mitteleuropa in den Schatten stellen sollte. Kirchen gab es in Mainz genug. Man kann aber heute sicher davon ausgehen, dass der Dom nicht zur Messe gebraucht wurde. Die Mainzer Bürger hatten in den vorhandenen Gotteshäusern genügend Platz. Nein, der Dom diente der Präsenz kirchlicher und weltlicher Macht – damals gehörten diese Begriffe noch zusammen. Der Erzbischof Willi-Gis war zugleich Erzkanzler des Reiches. Wann genau er den Bau des Doms in Auftrag gegeben hatte, ist unklar. Auf alle Fälle war es während seiner Amtszeit, die 975 nach Christus begann. Zuvor hatte er schon König Otto I. gedient. In dessen Baustil sollte das Antlitz des Domes auch entstehen. Vorbild war die Peterskirche in Rom – der Vorgängerbau des späteren Petersdoms. Derartige Ausmaße eines Gebäudes waren damals völlig unbekannt und unfassbar. Schließlich sollte er das Rom des Nordens repräsentieren und wurde auch zum Vorbild der Dome in Speyer und Worms. Man spricht hier von den 3 rheinischen Kaiserdomen.
Ein Marktplatz wie heute befand sich vor 1000 Jahren noch nicht vor dem entstehenden Dom. Der Stadtkern war einige hundert Meter entfernt. Unter den Mauern wurden Reste römischer Besiedlungen gefunden, welche die Franken aber verfallen gelassen hatten.
Im August des Jahres 1009 sollte die Weihe des Domes stattfinden. Doch just an diesem Tag brannte der Dom nieder. Damals war es üblich, zu solch einem Fest Fackeln rund um das Gebäude aufzubauen. Diese verursachten den Brand und der Dom konnte nicht genutzt werden. Weitere 27 Jahre gingen ins Land. Die Nachfolger des Bischof Willi-Gis kannten die Kirche nur als Baustelle. Erst unter Erzbischof Bardo wurde der Bau fertiggestellt und im Jahr 1036 eingeweiht. Auch der Kaiser war vor Ort.
45 Jahre später wurde die symbolträchtige Kirche wieder von einem Brand heimgesucht und einiges musste neu aufgebaut werden. Die Optik des Bauwerkes hat sich im Laufe der Jahre immer wieder dem Stil der amtierenden Kaiser angepasst. Dieser starb jedoch im Jahr 1106 und die Bauarbeiten kamen fast zum Stillstand.
Wehe Mainz, welche Zierde, welchen Künstler zur Wiederherstellung deiner ruinösen Münsterkirche hast du verloren! Wenn er so lange am Leben geblieben wäre, bis er letzte Hand an den von ihm begonnen Dombau gelegt hätte, so hätte dieser unstreitig mit dem berühmten Speyerer Dom wetteifern können.
Im Jahr 1184 feierte Kaiser Barbarossa zu Pfingsten das größte Fest des Mittelalters in Mainz. Das Fest wurde von einem großen Unwetter heimgesucht, bei dem es unter den 20.000 Besuchern auch zu Toten und Verletzten kam. Trotzdem fand an dem Tag auch der Ritterschlag seiner Söhne im Mainzer Dom statt. Mainz war eines der wichtigsten Zentren der damaligen Welt.
Brände gab es im Laufe der Jahrhunderte noch mehrere – hier teilte der Dom das Schicksal mit vielen anderen Gebäuden zu Zeiten, in denen man nur mit Feuer dunkle Räume erhellen konnte. Im 18. Jahrhundert war die zeit des alten Erzbistums vorbei. Die Stadt wurde durch die Preußen beschossen und auch der Dom wurde dabei schwer getroffen. Der Dom wurde immer wieder erweitert und modernisiert. Erst um 20. Jahrhundert ging es darum, Altes zu bewahren und nicht mehr der Moderne anzupassen. Zu Beginn des Jahrhunderts war der Grundwasserpegel abgesunken, da das Rheinufer aufgeschüttet wurde. Die hölzernen Pfähle des Dom-Fundamentes begannen zu faulen. Am Ende des 1. Weltkrieges wurden die Arbeiten daran nach fast 20 Jahren erst einmal eingestellt. Daraufhin nahmen die Mauerschäden auf dem instabilen Fundament dermaßen zu, dass man den Dom auf Betonfundamente stellen musste. Die Gewölbe wurden mit Beton gesichert, der heutige rötliche Marmorboden eingezogen und leider wurden auch die meisten Wandbemalungen entfernt.
Im 2. Weltkrieg wurde der Dom zu Mainz mehrmals bei Luftangriffen getroffen – das Obergeschoß des Kreuzgangs wurde zerstört – die Gewölbe aber nahmen keinen Schaden. Nach dem Krieg dauerten die Restaurierungen noch bis in die 70er-Jahre an, vor allem außen. Aber auch im Inneren musste einiges erneuert werden, so auch die Fenster. Von der erneuten Restaurierung, die seit 2001 andauert, sind wieder bevorzugt die Außenmauern betroffen. Rund um den Dom wird noch etwa 10 Jahre lang gearbeitet werden. Ein Monument dieser Größe bleibt eben auch mit den heutigen Mitteln immer eine Baustelle.
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