Zerstörung unserer Kultur - das Grauen des Pfälzischen Erbfolgekrieges

Wir erinnern uns an das 17. Jahrhundertim Rheinland: Schlösser, Burgen, Heiligtümer – der Südwesten des heutigen Deutschlands war reich an Bauwerken, die den Adel repräsentierten und in denen derselbe lebte. Doch diese Pracht an Burgen sollte nicht bestehen bleiben. Bis heute wurde vieles wieder aufgebaut – doch kaum ein Original ist erhalten nach den Grauen des Erbfolgekrieges.

Streitende Mächte waren daran schuld, dass nach wenigen Jahren des Krieges kaum mehr ein Adelshaus stehen geblieben war. Bereits der 30-jährige Krieg zerstörte einiges. Doch der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) war dafür verantwortlich, dass wir heute fast nur noch Nachbildungen oder völlig neu aufgebaute Schlösser besichtigen können.

Burg Rheinfels. Fotos auf dieser Seite: Rheinland Pfalz Tourismus GmbH

 

Vorgeschichte

Der pfälzische Kurfürst Karl I. Ludwig, der seine Regierungsgeschäfte stets selbst überwachte und für Sparsamkeit und geschicktes Handeln bekannt war, wollte das angespannte politische Verhältnis zum benachbarten Frankreich verbessern.

Wie es in jener Zeit oft praktiziert wurde, ließ er deshalb seine Tochter Elisabeth Charlotte ("Liselotte von der Pfalz") den französischen Herzog Philipp von Orléans heiraten. Das war der Bruder des berühmten Sonnenkönigs von Versailles, Ludwig XIV. Philipp war zwar homosexuell, zeugte jedoch mit ihr, wie schon mit seiner ersten Frau, mehrer Kinder. Die Probleme mit Philipp dokumentierte Liselotte in rund 60.000 Briefen, die sie in deutsch und französisch an ihre Tante, ihre Halbschwester, den Dichter Leibniz und andere geschrieben hatte.

 

Die Hochzeit der Liselotte von der Pfalz brauchte nicht den Frieden

Die Zweck-Hochzeit von Liselotte und Philipp sorgte nicht lange für Frieden, sondern bewirkte das Gegenteil. Nachdem dem Sohn Karl I. Ludwigs, der pfälzische Kurfürst Karl II. 1685 gestorben war, pochte der französische Ludwig XIV. entgegen dem Erbschaftsvertrag, auf sein angebliches Recht an der Kurpfalz als Erbe seiner Schwägerin.

Die Pfalz-Neuerburger mit Sitz in Düsseldorf, wollten die Kurpfalz jedoch für sich haben. Die Franzosen entschlossen sich, um das Gebiet zu kämpfen, damit sie den französischen Boden ausweiten konnten. Deshalb fielen sie 1688 in die Pfalz und das linksrheinische Gebiet ein.

Mit den Pfälzern verbündeten sich die Engländer, Savoyen und die Niederlande. Sie konnten die Franzosen zunächst zurückdrängen. Dieser Schutz war aber nicht von Dauer. Schon 1692 fielen die Franzosen in die Pfalz ein und verwüsteten die Landschaft.

Alle Burgen und Schlösser sollten unbrauchbar gemacht werden, damit die Pfälzer keine Stützpunkte mehr hatten, um gegen die Franzosen vorzugehen. Neben Burgen wurden auch Dörfer und ganze Städte niedergebrannt. Die Stadt Speyer wurde zusammen mit dem Dom 1689 von den Franzosen zerstört. Es ging darum, die Deutschen unter Druck zu setzen. Militärische Feldschlachten gab es keine.

Schließlich gaben die Deutschen nach 11 Jahren der Verwüstung nach.

Im Oktober 1697 wurde der Pfälzische Erbfolgekrieg durch den Frieden von Rijswijk (liegt in den Niederlanden) beendet. Die Franzosen hatten sich von dem Krieg mehr erhofft, als sie bekommen konnten, denn sie hatten viel Geld darin investiert. Dafür bekamen sie das Elsass mit der ehemaligen deutschen Reichsstadt Straßburg. Alle anderen deutschen Gebiete, die von den Franzosen besetzt waren, mussten sie wieder räumen. Die Einwohner Straßburgs hatten ein Jahr Zeit, um auszuwandern, falls sie keine Franzosen werden wollten. Sie konnten aber auch bleiben.

 

Die Franzosen hinterließen Zerstörung

Im heutigen Rheinland-Pfalz gibt es kaum eine linksrheinische Burg, die damals nicht zerstört wurde. Die Burg Lahneck an der Lahnmündung war wie viele andere bereits im 30-jährigen Krieg zugerichtet worden.

Doch 1688 wurden die letzten Teile im Erbfolgekrieg niedergebrannt. Schloss Stolzenfels bei Koblenz wurde 1689 von den Franzosen zerstört und lag 150 Jahre lang brach, bis es in neuem Stil wieder aufgebaut wurde. Am Rhein blieb nur Pfalzgrafenstein bei Kaub erhalten, sowie die Marksburg in Braubach, nahe Koblenz.

Auch die Reichsburg Cochem wurde zuerst besetzt und dann zerstört. Erst 180 Jahre später wurde die Cochemer Burg mit dem unvergleichlichen Ausblick über die Mosel von einem Kaufmann aus Berlin für 300 Goldmark gekauft und im neugotischen Stil wieder aufgebaut. Auch die Dahner Burgengruppe wurde zerstört.

Das Hambacher Schloss hatte vom 30-jährigen Krieg nichts abbekommen. Bis zum Erbfolgekrieg war die ehemalige Wehranlage bereits verlassen. 1688 wurde sie dann zerstört.

 

Verschonte Bauten

Das Kurfürstliche Palais in Mainz war zu jener Zeit erst im Bau. Der Bau verzögerte sich um einige Jahre und der Flügel, der vom Rhein wegführt, wurde erst viel später fertiggestellt. Zerstört wurde hier jedoch nichts.

Eine der einzigen Burgen um den Rhein, die den Pfälzischen Erbfolgekrieg überlebt hatte, war die Burg Eltz, die zwischen der Mosel und dem Maifeld in einem Tal am Elzbach liegt. Hans Anton zu Eltz-Üttingen war ein ranghoher Offizier im französischen Herr. Deshalb konnte er seine Burg vor der Zerstörung bewahren. Die Burg, die heute noch ähnlich aussieht wie im 17. Jahrhundert, war auf der zweitletzten DM-Serie der 500er-Scheine abgebildet. Unbeschadet durch die Jahrhunderte zu gehen, blieb den meisten der pfälzischen Burgen und Dörfer jedoch verwehrt.

Die Dahner Burgen (Tanstein, Grafendahn, Altdahn) wurden 1820 durch einen Felssturz abermals zerstört und sind heute als Burgenreste noch zu besteigen, nachdem seit 130 Jahren daran restauriert wird. Auch an anderen Burgen wird noch heute wieder aufgabaut, was im Erbfolgekrieg zerstört wurde oder in den Jahrhunderten danach verwahrloste.

 

Das linksrheinische Gebiet: Immer wieder Zugehörigkeitsfragen

Im linksrheinischen Gebiet gab es auch danach noch etliche Zugehörigkeits-Verschiebungen- Von 1794-1815 gehörten die linksrheinischen Gebiete zum französischen Staatsverbund und wurden als Donnerberg-Region bezeichnet (Départements Mont-Tonnerre). 1815 kam dann die heutige Pfalz an das Königreich Bayern. Dies passierte durch die Befreiungskriege und den Wiener Kongress.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Pfalz noch französische Besatzungszone, bis sie 1947 Teil des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz wurde. 1956 gab es dann ein Volksbegehren für eine Rückgliederung nach Bayern, was jedoch nicht die Unterstützung der Bürger fand. Auch heute noch steht immer wieder zur Diskussion, Bundesländer innerhalb Deutschlands zusammenzulegen, um Verwaltungskosten zu sparen. Die Grenzen zu Frankreich dürften nun aber dank der friedlichen demokratischen Regierungsform der heutigen Bundesrepublik für hoffentlich lange Zeit bestehen bleiben.

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