Die Römer in Rheinland-Pfalz

Die Römer beherrschten einst unser Land und brachten Zivilisation in eine Region, die vorher teils unbewohnt und nicht strukturiert war. Was ist von den römischen Wurzeln geblieben? Die Römer haben ihre Spuren hinterlassen - wir müssen sie nur finden.

Julius Cäsar, der berühmteste Herrscher Roms – er wollte sich nicht nur auf eine Stadt oder ein Land beschränken. Er dehnte sein Römisches Reich immer weiter aus. Und auf diesem Ausdehnungsgebiet spielte auch das heutige Rheinland-Pfalz eine bedeutende Rolle. Trier ist bei weitem nicht der einzige Ort, an dem es noch heute etliche römische Spuren gibt. Aber es ist der bekannteste dieser Orte im Land. Hier musste sich 50 vor Christus auch ein Keltenstamm germanischer Abstammung dem römischen Herrscher unterwerfen. Die Römer waren vom Osten her gekommen und überquerten zwischen Koblenz und Andernach den Rhein. In Andernach entstand später auch der Hafen für die römische Rheinflotte.

Gut 20 Jahre später - Cäsar war längst ermordet -  wurde an der Mosel eine römische Militärsiedlung errichtet, wo im Jahr 16 vor Chr. die Stadt „Augusta Treverorum“ von Kaiser Augustus gegründet wurde. Augustus war es nicht wichtig, das Reich von Rom aus zu regieren. „Augusta Treverorum“ bedeutet daher auch übersetzt „die Stadt des Augustus im Land der Treverer“. Augusta Treverorum wurde zum Hauptzentrum der Provinz, wo das kulturelle Leben des Römischen Reiches stattfand. Für Kaiser Augustus war nicht eine bestimmte Stadt wichtig, sondern das gesamte Reich.

12 Jahre vor Christus wurde an der Mündung des Mains in den Rhein ein Legionslager gegründet. Hier war Militär stationiert – aber auch Verwaltungsaufgaben wurden von hier aus erledigt. Am Ende des 1. Jahrhunderts wurde Mainz zur Hauptstadt der Provinz Germania Superior. Noch heute gibt es einzelne Überreste aus der Zeit, wie die Römersteine die zu einem alten Äquadukt gehören.

10 Jahre vor Christus entstand auch auf einer Landzunge beim heutigen Speyer ein römisches Militärlager. Von hier aus wurden etliche Militäraktionen der Römer gestartet.

Über Brücken das Land erobern

Zu der Zeit wurde im heutigen Trier auch eine erste römische Moselbrücke errichtet – es ist die älteste Brücke Deutschlands. Anfangs bestand sie nur aus Holz, eine sogenannte Sprengwerkbrücke. 45 nach Christus wurde ein kleines Stück flussabwärts vom heutigen Standort der Römerbrücke eine erste Steinbrücke gebaut. Teile der Pfeiler kann man heute noch bei Niedrigwasser sehen.

Die Pfeiler der heutigen Steinbrücke wurden zwischen 144 und 152 n. Chr. erbaut. Die neue Römerbrücke ist die dritte Brücke an dieser Stelle seit der Stadtgründung. Die Brücke hat flussaufwärts zugespitzte Pfeiler, um Hochwasser und Eis besser trotzen zu können. Auf den massiven Pfeilern war in römischer Zeit eine hölzerne Brückenkonstruktion erbaut worden. Dieses konnte durch eine zehn Meter breite Fahrbahn dem Verkehr gut standhalten. Da die Fahrbahn bei Normalpegel ca. 14 m über der Mosel lag, mussten die Masten der Schiffe nicht mehr umgeklappt werden, wenn sie flussabwärts segelten. FlussAUFwärts mussten sie wegen der starken Strömung getreidelt werden.

Wie lebten die einfachen Bürger?

Die meisten bekannten Gebäude dienten dem Brunk der Reichen. Wie aber lebte das bürgerliche Volk unter römischer Herrschaft? Insulae nannten sich die dunklen engen Wohnblöcke in denen die einfachen Leute lebten. Nach Sonnenuntergang verließ kaum jemand noch sein Haus. Es gab keine Straßenbeleuchtung und so war es in den Straßen dunkel und gefährlich. Wenn sich keine Diebe herumtrieben, waren es höchstens Reiche im Schutz ihrer Sklaven. (evtl Ministadt zeigen und abdunkeln).

Die wohlhabenderen Bürger konnten sich Einfamilienhäuser leisten, die Domus genannt wurden. Diese hatten eine offene Halle mit einem Regenwasser-Sammelbecken, mit dem auch das Haus gekühlt wurde. Die meisten Häuser waren zwar nicht groß, hatten aber mehrere Schlafzimmer, ein Speisezimmer und manchmal auch ein Arbeitszimmer. Egal was es sonst zu essen gab, man aß zu jeder Mahlzeit Brot. In den Städten wie Trier oder Mainz mahlten Bäcker das Korn zu Mehl und stellten die Brote für das breite Volk her. Das mahlen von Korn war eine solch schwere Arbeit, dass sich nur Sklaven und verarmte Bürger in den Backstuben plagten, die sonst keine Arbeit mehr finden konnten. In reichen Haushalten wurde das Brot nicht gekauft, sondern von die Sklavinnen gebacken. Außerdem gab es viele Bohnen und andere Gemüse, Weizenbrei sowie Wasser und Wein. Es gab kaum einen Römer, der keinen Wein trank. Selbst einfache Leute hatten Wein – man mischte ihn aber mit Wasser. Sonst hätte damals keiner mehr nüchtern arbeiten können.

Die Familienordnung war strikt verteilt. Der Familienvater war das Oberhaupt und herrschte über Frau und Kinder. Er hatte über sie die gleiche Macht wie ein Herr über seine Sklaven. Es war nicht verpönt, ein Kind das dem Vater nicht gefiel, einfach auszusetzen oder es als Sklave zu verkaufen. Das Leben der Frauen bestand ausschließlich aus Kinderkriegen, Wasserholen, Nähen und Kochen.

Brot und Spiele, damit die Bürger munter bleiben und dem Adel folgen

Schon zur Römerzeit gab es kulturelle Großveranstaltungen. Etwa 100 nach Christus wurde das Amphitheater fertiggestellt. Rund 20.000 Besucher fanden hier ihren Platz. Unter der Arena lag ein Keller, der heute noch erhalten ist. In der Mitte der Anlage gab es Aufzüge, um die Akteure auftreten zu lassen. Den Aufzug sieht man heute nicht mehr. Das Amphitheater wurde bewusst an den Petrisberg gebaut, da man sich durch dessen Neigung schon mal das Aufschütten einiger Tribünen ersparte.

Die Römer sind noch heute als Erfinder bekannt. Sie haben Dinge eingeführt, die wir noch heute benutzen, wie beispielsweise die Fußbodenheizung. Diese wurden auch in den römischen Badehäusern genutzt. In Trier gab es gleich mehrere solcher Thermen. 300 nach Christus errichtete Kaiser Konstantin die Kaiserthermen als riesiges Repräsentationsgebäude, in ähnlichem Stil wie die Basilika. Unter dem Badehaus gab es etliche Kellergänge, die als Heizung dienen sollten. Anhand dieser Gänge konnte später festegestellt werden, dass der Badebetrieb in den Kaiserthermen nie aufgenommen wurde. Nachdem der Amtssitz des Reiches von Trier abgezogen wurde, beließ man das Gebäude im Rohbau. Kaiser Valentinian ließ die Badethermen einige Jahre später als Kaserne umbauen, die Platz für bis zu 1.000 Soldaten bot.

Auch unter dem Viehmarkt gab es Thermen, die mittlerweile wieder entdeckt wurden und durch einen Glasquader jedem einsehbar sind. Hier werden heute Besichtigungen angeboten und manch einer nutzt die Räumlichkeiten auch für seine Hochzeit oder für die Firmenfeier.

Als Religion hatte sich das Christentum damals noch nicht durchgesetzt. Man verehrte hier diverse keltische Gottheiten.

Um das Römische Reich nach Norden abzugrenzen und vor den Germanen zu schützen, wurde eine riesige Mauer errichtet – eine Mauer über 550 km. Dieser Limes zog sich von Rheinbrohl bis runter zur Donau. Heute sind unter anderem  noch in Neuwied, Bendorf und Bad Ems Überreste der Gebäudeteile zu sehen. Rund 60 Kastelle und 900 Wachturmstellen waren Teile eines einheitlich konzipierten Sicherungssystems.

Sicher genug war der obergermanische Limes anscheinend nicht. Im Jahr 275 kamen die Alemannen von Norden aus über den Limes und zerstörten die Stadt Trier. Die Stadt wurde dann von den Römern unter Konstantin des Großen wieder aufgebaut und danach als Sitz ihrer Residenz gewählt. Kaiser Konstantin ernannte Trier schließlich zur Hauptstadt des Weströmischen Reiches, welches Gallien, Spanien und Britannien umfasst. Aus dieser Zeit stammen auch das Amphitheater und die Kaiserthermen.

Nach Kaiser Konstantin, der auch das Christentum im Norden eingeführt hatte, residierte hier sein Sohn Konstantin der Zweite bis ins Jahr 340 nach Christus. Ende desselben Jahrhunderts war Trier unter 3 weiteren Kaisern noch einmal Regierungssitz des Weströmischen Reiches. Bis zu 100.000 Menschen lebten hier damals – genauso viele wie heute. Damit war Trier die größte Stadt nördlich der Alpen!

Noch zu Konstantins Lebzeiten baute man ihm einen Thronsaal, eine große Palastaula, die Konstantinbasilika. Die heutige evangelische Kirche ist der größte Einzelraum der Welt, der noch aus der Antike erhalten ist. 67 Meter lang ist der Innenraum – und 33 Meter hoch. Die Römer wollten hier der restlichen Welt ihre Macht demonstrieren. Alles war damals mit Marmor verkleidet, in den Nischen standen Statuen, ebenfalls aus Marmor. Nicht nur die Fußböden, sondern auch die Wände waren beheizt. Unter dem doppelten Fußboden befanden sich fünf Brennöfen, aus denen die heiße Luft kam. Der Austritt der erwärmten Luft in Höhe einer Verkleidung, zu der ebenfalls eine Verbindung zu den Öfen bestand, sorgte dafür, dass sich auch die Außenwände erwärmten, dort warme Luft herrausströmte und die Wandverkleidungen quasi als Heizkörper dienten.

Um sich vor Angreifern zu schützen wurde eine 6 Meter hohe Mauer errichtet, die vier Stadttore erhält. Von den vier Stadttoren erhalten ist heute nur noch die Porta Nigra – das schwarzes Tor – heute das Wahrzeichen der Römer in der Moselstadt.

Um 400 nach Chr. nahmen die Angriffe seitens der Germanen immer mehr zu. Die römischen Kaiser wichen nach Arles im heutigen Südfrankreich aus. Trier wurde von den Franken erobert und teilweise in Schutt und Asche gelegt.

 

Im Kulturhauptstadtjahr 2007 fand in Trier eine überaus erfolgreiche Ausstellung über Kaiser Konstantin den Großen statt. Über 750.000 Menschen waren dafür extra in die Stadt gekommen. Die Kulturmetropole will sich künftig noch stärker als „Römisches Trier“ vermarkten. Aktivitäten von Antikenfestspielen über Konzerte und Theater an historischen Stätten sollen künftig gebündelt an 15-20 Wochenenden im Jahr stattfinden.

Der Teufel in Trier - Reise in die mittelalterliche Bischofsstadt

 
Joomla template by a4joomla