Alte Bahnstrecken werden wieder genutzt

Totgesagte leben länger, oder erstehen wieder auf. So wird es mit der Hunsrückbahn sein, einer Zugverbindung, die schon seit 1984 lahmgelegt war und nun komplett neu aufgebaut wird. Auch einige andere Bahnstrecken im Land werden neu genutzt, wie die Zellertalbahn oder die Wieslauter-Bahn, auf denen historische Züge zur Touristenattraktion fahren. In Polch führt ein Radweg über die alte Trasse.

Andernorts kann man sich nicht vorstellen, dass die Bahn zurück kommt. Dort sieht man die positiven Seiten und genießt die Ruhe. In der Region Pellenz und Vulkaneifel wurde ebenfalls den 80er Jahren die Bahnstrecke stillgelegt und heute kann man hier einen kilometerlangen Radweg durch die Felder des Maifeldes nutzen. Radfahrer, Fußgänger und Inliner sind hier täglich in Mittagspausen und in der Freizeit unterwegs. Der Radweg auf der früheren Bahntrasse umschließt fast den ganzen Ort Polch (Bilder links), der in den letzten Jahren stetig wachsen konnte, obwohl die Bahn hier nicht mehr fährt. Denn hier hat man dafür die unmittelbare Nähe zur A48, die an der Kleinstadt vorbeiführt. Dank niedriger Grundstückspreise haben sich hier große Firmen angesiedelt, wie der Kekshersteller Griesson - de Beukelaer und der Wohnmobile-Bauer Niesmann+Bischoff. In den Neubaugebieten, die erst in den vergangenen Jahren entstanden sind, ist man froh, schöne Freizeitwege auf der einen Seite und Felder auf der anderen Seite zu haben. Wenn hier die Bahn noch fahren würde, wäre die Ansiedlung der neuen Familienhäuser an dieser Stelle undenkbar gewesen.

Durch den Kurort Dahn im Wasgau führt noch heute eine Bahnstrecke, die einmal in der Woche genutzt wird: sonntags nutzen hier Touristen die Wieslauter-Bahn. Die Stadt hatte hier schon viel Geld investieren müssen und hoffte Mitte des ausklingenden Jahrzehnts, die Strecke stilllegen zu können, da die Trasse dringend für eine Straße zur Ortsumgehung benötigt wird. Täglich fahren hunderte LKWs durch die schmalen Hauptstraßen des Urlaubsortes. In die ganze Region dahinter führt einfach keine breitere Straße. Bundesgesetze sehen allerdings vor, dass man vor Stilllegung einer Bahnstrecke den weiteren Betrieb ausschreiben und einen möglichen Investor suchen muss. Zur Überraschung der Kommunalpolitiker fanden sich tatsächlich mehrere Interessierte und der Traum der Ortsumgehung ist erst mal geplatzt. Seit Mai 2008 wird die Strecke zwischen der Bundesstraße 10 und Rumbach an Sonn- und Feiertagen von einer Tochterfirma der Stadt Karlsruhe befahren. An Wochentagen bleiben die Gleise ungenutzt.

Im Hunsrück hat man einen Grund, wieder mit einer gut ausgelasteten Bahnstrecke zu rechnen: der Flughafen Hahn. Durch Bundesmittel soll die 63 Kilometer lange Strecke wieder errichtet werdenfür rund 140 Millionen Euro. Dafür soll die Strecke weiterhin eingleisig sein, aber im Gegensatz zu den Vorgängergleisen beispielsweise bei Langenlohnsheim tiefergelegt werden. In Simmern wird es Lärmschutzwände geben. Ein Mal in der Stunde will die Bahn den Hunsrück durchqueren. Auf dem Weg vom Flughafen Hahn nach Mainz wird es bis 2015 insgesamt 5 Haltepunkte geben. Der Bau beginnt 2011. Nach ursprünglichen Plänen sollte das Projekt schon 2010 fertiggestellt sein. Es gab Verzögerungen, unter anderem, weil man sich mit manchen Gemeinden erst spät einig wurde. Von Hahn nach Mainz soll man dann in anderthalb Stunden sein, also langsamer als auf der Straße. Dafür umgeht man mögliche Staus um die Landeshauptstadt. Vom sogenannten Frankfurt-Hahn nach Frankfurt am Main wird man 130 Minuten auf den Schienen unterwegs sein. Man erhofft sich damit auch, dass der Flughafen inmitten von Rheinland-Pfalz mehr genutzt wird und sich neue Fluggesellschaften ansiedeln. Für die Einwohner der Region gibt es nun endlich wieder ein zusätzliches öffentliches Verkehrsmittel, sofern sie in der Nähe der Hunsrückbahn wohnen.

 

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