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Große Berge und Hügel schmücken die Landschaft, einsame Bäume und dichte Wälder wechseln sich mit Kornfeldern ab. Eine Gegend, die ganz ruhig wirkt, dabei war sie früher bekannt für ihre Musik. Einen Teil des Nordpfälzer Berglandes, rund um Lauter und Glan nennt man das Musikantenland. Fast 80 Jahre lang war die Musik hier ein wichtiger Wirtschaftszweig.
Die Westpfalz hatte schon immer schlechte Verkehrsanbindungen. Anfang des 19. Jahrhunderts war das noch schlechter als heute. Auch lief die Wirtschaft in der bergigen Region, durch die keine größeren Flüsse fließen, noch nie richtig gut. Missernten lösten Hungersnöte aus – auch in den Jahren 1816 und 1831. Schlimmer wurde alles noch, als der Bergbau am Potzberg und Königsberg zurück ging. Was sollten die Menschen nur tun, um zu überleben? Einige wanderten aus oder eröffneten ein Wandergewerbe, mit dem sie dauerhaft in ganz Mitteleuropa unterwegs waren. Im benachbarten Frankreich, zu dem unsere Region vorher nur kurz gehörte, lief vieles besser und etliche Pfälzer gingen nach Südfrankreich, um dort in Häfen zu arbeiten. Man ging auch auf Wanderschaft, um heimische Produkte zu vertreiben. So wurden Schuhe aus Pirmasens oder Besen aus Ramberg im Ausland verkauft. In der Freizeit versuchten sich viele Arbeiter, mit dem Spielen von Musik bei Laune zu halten. Vielleicht entstand so auch das Musikantengewerbe – genau kann das heute keiner mehr sagen.
Jedenfalls wurden es immer mehr Bürger, die hauptberuflich Musik spielten. Zuerst auf Kerwen und Festen, später auch als größere Kapellen im Ausland. Man machte die Zuhörer glücklich und verdiente gutes Geld für die Familie. Jedes Jahr wurden mehr Pässe für Auslandsreisen ausgestellt, was auch die Bayerische Landesregierung bemerkte, die damals für die Region zuständig war. Aufgrund der wirtschaftlichen Not wurden die Ausreisen aber geduldet. Nur Kinder, die noch schulpflichtig waren, durften nicht verreisen.
Das Musikertum wurde immer professioneller. Im Musikantenlandmuseum auf Burg Lichtenberg sind etliche Instrumente und Noten ausgestellt. Die Musiker wurden nunmehr zu Profis ausgebildet und 2-3 tausend Westpfälzer verreisten nicht mehr nur innerhalb Europas, sondern auch über das Meer nach Amerika und Australien. Auch Reisen nach China und Afrika gab es für die Musiker vor 150 Jahren immer öfter – die Globalisierung wurde nicht erst vor Kurzem erfunden.
Überall bekamen sie den Namen „Mackenbacher", wenngleich sie auch aus anderen Orten rund um Kusel, Kaiserslautern und Rockenhausen kamen.
 Die Ansprüche der Zuhörer wurden immer höher. Reiche Engländer verbrachten ihren Sommerurlaub in den dortigen Seebädern und hier war für die Wandermusiker viel zu holen. Sofern sie anpassungsfähig waren. Hier mussten Musiker nämlich Uniformen tragen und moderne Stücke von Musikern spielen können, die gerade angesagt waren. Zumindest der Kapellmeister musste Fremdsprachen beherrschen, damit man sich im Ausland überhaupt verständigen konnte. Wer keine anderen Sprachen konnte und nur pfälzische Musik im Angebot hatte, der konnte nur umherziehen und auf Marktplätzen musizieren. Eine Festanstellung wurde aber so nicht in Aussicht gestellt. Beliebt wurde auch das Reisen mit dem Zirkus. Der war im 19. Jahrhundert groß im Kommen – es gab ja noch kein Fernsehen. Sogar beim Zirkus Busch und bei Hagenbecks fanden viele Nordpfälzer Arbeit.
Frauen waren fast nie unter den Musikanten. Wenn die Familie noch in der Heimat lebte, brachte der Mann Geld mit nach Hause. Ein weiterer Wirtschaftszweig begann aber hier vor Ort zu flanieren: der Bau von Instrumenten. Auch die Uniformen mussten geschneidert werden, sodass Tuchmacher und Färber immer mehr zu tun hatten. So wurde aus der armen Region ein wohlhabendes Musikantenland.
Wie konnte man die Musik erlernen? Musikschulen gab es in der Pfalz damals keine einzige. Daher gab es eine Ausbildung, die der im Handwerk ähnelte: Der Auszubildende ging mehrere Jahre bei einem erfahrenen Wandermusikanten in die Lehre. Schon als Schüler begann nebenher die Ausbildung zum Musiker. Mehrmals in der Woche mussten die jungen Männer zum Musikunterricht. Erst nach der Schule durften sie zum ersten Mal reisen – oft mit dem Vater zusammen, der auch Musiker war. Meist war das um Ostern, nach dem Ende des Schuljahres und daher nannte man die jungen Musikanten „Osterbuben". Der Vater war auch mit dabei, dass die Jungen nicht von geldgierigen Kapellmeistern ausgebeutet wurden.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts hatte das Wander-Musikantentum seinen Höhepunkt erreicht. Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges brach diese Tradition aber mit einem Schlag ab. Die jungen Männer mussten in den Krieg ziehen. Ins verfeindete Ausland konnten sie als Musiker nicht mehr gehen. Nach dem Krieg dann kamen zunehmend Schallplatten und das Radio auf. Die große Zeit der Live-Musiker war vorbei. Allenfalls im Zirkus behielten manche ihre Anstellung. Etliche gingen auch ins Ausland und blieben dort. Heinrich Jakob aus Mackenbach beispielsweiße, beschäftigte später einen jungen Sänger in seiner Kapelle, der weltbekannt wurde: Frank Sinatra.
Knapp 2 Jahrzehnte nach dem 1. Weltkrieg wurden mussten die verbliebenen Wandermusikanten in die Reichsmusikkammer eintreten. Die Mitgliedschaft wurde jedoch im Jahr 1939 aufgehoben, da ihre Arbeit nicht als Verbreitung musikalischen Kulturgutes angesehen wurde. Das war das Ende der Musikanten in der Westpfalz. Die Burg Lichtenberg bei Kusel zeigt noch heute etliche Exponate aus der damaligen Zeit in ihrem Musikantenland-Museum. So kann eine Zeit voller Musikerfamilien in den pfälzischen Wäldern für immer in Erinnerung bleiben.
Öffnungszeiten des Museums: April-Oktober täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr und November bis März täglich von 10.00 - 12.00 Uhr und von 14.00 - 17.00 Uhr
Externer Link: http://kuseler-musikantenland.de/deutsch/kultur---freizeit/sehenswuerdigkeiten/museen/musikantenland-museum.html |